Die meisten Spartipps klingen inzwischen ungefähr so:
„Kündige unnötige Abos.“
„Koche selbst.“
„Vergleiche Preise.“
Stimmt alles. Aber das hat vermutlich jeder schon einmal gehört.
Interessanter wird es bei Sparmethoden, bei denen man nicht weniger braucht, sondern Einkauf, Mengen und Nachfrage anders organisiert.
Hier sind elf davon.
1. Frag nicht nach Rabatt – frag nach der richtigen Menge
Ein Händler möchte dir 500 Gramm verkaufen?
Dann ist die Standardfrage:
„Was kostet das?“
Die interessantere Frage lautet:
„Was würde es kosten, wenn ich 5 oder 10 Kilogramm nehme?“
Bei Lebensmitteln, Tierfutter, Brennholz, Erde, Verpackungen oder Verbrauchsmaterial kann eine größere Menge einen völlig anderen Kilopreis ermöglichen.
Natürlich nur sinnvoll, wenn du die Menge wirklich verbrauchst oder teilen kannst.
Vieles kann man aber auch einfrieren, obwohl man es sonstn icht tu.
2. Mach aus einem Großeinkauf fünf kleine
Du brauchst keine zehn Kilogramm Käse.
Vier Nachbarn vermutlich auch nicht.
Aber fünf Haushalte brauchen vielleicht jeweils zwei Kilogramm.
Plötzlich kann eine Großpackung interessant werden – oder man friert es ein.
Das Prinzip:
Viele kleine Käufer werden gemeinsam zu einem großen Käufer.
Das funktioniert beispielsweise bei:
- Kartoffeln
- Äpfeln
- Fleisch
- Tiefkühlprodukten
- Tierfutter
- Waschmittel
- Toilettenpapier
- Getränken
Der eigentliche Spartipp ist also nicht „mehr kaufen“.
Sondern:
Gemeinsam mehr kaufen.
3. Kaufe das, was der Verkäufer loswerden möchte
Normalerweise sucht der Käufer ein Produkt.
Dreh das einmal um.
Frag:
„Was haben Sie regelmäßig übrig oder möchten Sie besonders günstig loswerden?“
Ein Landwirt hat vielleicht sehr große Kartoffeln.
Ein Bäcker Brot vom Vortag.
Ein Händler beschädigte Verpackungen.
Ein Betrieb Reststücke oder Überbestände.
Du suchst dann nicht mehr nach dem günstigsten Wunschprodukt.
Du suchst nach dem Produkt, bei dem gerade jemand anderes ein Problem hat.
Probleme sind erstaunlich oft billig.
4. Lass dir einen Preis nennen, bevor du die Menge festlegst
Statt:
„Was kosten fünf Kilogramm?“
frag:
„Ab welcher Menge wird es deutlich günstiger?“
Warum?
Vielleicht liegt die interessante Preisstufe nicht bei fünf Kilogramm, sondern bei sechs, zehn oder einem ganzen Karton.
Wer immer nur nach seiner ursprünglich geplanten Menge fragt, erfährt diese Preisstufen möglicherweise nie.
5. Führe eine „Irgendwann brauche ich das“-Liste
Viele Menschen sparen erst, wenn sie etwas brauchen.
Dann ist es allerdings zu spät.
Die Waschmaschine geht kaputt.
Jetzt muss sofort eine neue her.
Der Winter kommt.
Jetzt müssen Winterreifen gekauft werden.
Besser:
Schreib Produkte auf, die du mit hoher Wahrscheinlichkeit innerhalb der nächsten zwölf Monate brauchst.
Dann kannst du monatelang auf einen guten Preis warten.
Zeit wird dadurch zu einem Sparwerkzeug.
6. Kaufe nicht günstig – kaufe zu deinem Preis
Für häufig gekaufte Dinge kannst du einen persönlichen Höchstpreis festlegen.
Beispiel:
Käse: maximal X €/kg.
Waschmittel: maximal X Cent pro Waschladung.
Garnelen: maximal X €/kg.
Kaffee: maximal X €/kg.
Ist der Preis höher?
Dann wird nicht gekauft.
Ist er darunter?
Dann kann Vorrat gekauft werden.
Das verhindert eine der häufigsten Einkaufsfallen:
„Das sieht irgendwie günstig aus.“
7. Berechne Preise in der Einheit, die wirklich zählt
Eine Packung für 4,99 € kann günstig aussehen.
Interessant ist aber häufig nicht der Packungspreis.
Sondern:
- Preis pro Kilogramm
- Preis pro Liter
- Preis pro Portion
- Preis pro Waschgang
- Preis pro Nutzung
- Preis pro Jahr
Ein 20-Euro-Gegenstand, den du 500-mal benutzt, kann günstiger sein als ein 5-Euro-Gegenstand, den du nach zehn Anwendungen ersetzen musst.
Der günstigste Kaufpreis und die günstigste Nutzung sind zwei verschiedene Dinge.
8. Frage Händler nach Dingen, die gar nicht im Regal stehen
Das ist besonders interessant bei kleinen Betrieben.
Ein Metzger hat Abschnitte.
Ein Landwirt hat Ware außerhalb der gewünschten Handelsgröße.
Eine Gärtnerei hat beschädigte Töpfe.
Ein Holzhandel hat Reststücke.
Nicht alles davon wird sichtbar angeboten.
Eine einfache Frage kann deshalb erstaunlich viel bringen:
„Gibt es etwas Günstiges, das normalerweise nicht für Privatkunden angeboten wird?“
Die schlechteste mögliche Antwort ist Nein.
9. Tausche Bequemlichkeit gegen Preis – aber nur gezielt
Viele Produkte werden teuer, weil jemand Arbeit für dich erledigt.
Geschnittenes Gemüse.
Kleine Verpackungen.
Einzeln portionierte Lebensmittel.
Lieferung bis zur Haustür.
Fertig zerlegte Produkte.
Die interessante Frage lautet:
Welchen Arbeitsschritt kann ich übernehmen, wenn ich dafür deutlich weniger zahle?
Nicht jede Eigenarbeit lohnt sich.
Aber manchmal spart eine halbe Stunde Arbeit mehr Geld als eine Stunde zusätzliche Erwerbsarbeit bringt.
10. Werde für einen Verkäufer zum einfachen Kunden
Rabatte entstehen nicht nur durch große Mengen.
Auch wenig Aufwand kann wertvoll sein.
Zum Beispiel:
- feste Abholzeit
- keine Lieferung
- ganze Verpackungseinheit
- regelmäßige Bestellung
- sofortige Entscheidung
- keine Sonderwünsche
Ein Kunde, der wenig Arbeit verursacht, kann für einen kleinen Anbieter interessanter sein als jemand, der ständig Sonderwünsche hat.
Die Frage könnte deshalb lauten:
„Wie müsste ich kaufen, damit es für Sie möglichst wenig Aufwand ist und dadurch günstiger werden könnte?“
Das hört man in Sparratgebern erstaunlich selten.
11. Spare nicht allein
Das vielleicht unterschätzteste Sparmittel ist keine App.
Es sind andere Menschen.
Einer kennt einen günstigen Bauern.
Einer hat ein großes Auto.
Einer besitzt Werkzeug.
Einer braucht ebenfalls zehn Kilogramm Lebensmittel.
Einer bekommt Mitarbeiterrabatt.
Einer fährt sowieso zum Großmarkt.
Wenn fünf Menschen ihre Möglichkeiten kombinieren, können Dinge entstehen, die für einen Einzelnen gar nicht möglich wären.
Das ist im Grunde eine kleine private Einkaufsgenossenschaft – nur ohne Büro, Vorstand und 84 Seiten Satzung.
Der wichtigste Gedanke
Klassisches Sparen fragt:
„Worauf kann ich verzichten?“
Interessanter ist manchmal:
„Wie kann ich dasselbe bekommen, aber den Weg zwischen Hersteller und mir verändern?“
Größere Mengen.
Gemeinsame Bestellungen.
Restposten.
Direkter Einkauf.
Weniger Service.
Mehr Planung.
Ein anderer Einkaufszeitpunkt.
Damit wird Sparen nicht automatisch zu Verzicht.
Manchmal muss man nicht weniger konsumieren.
Man muss nur schlauer einkaufen als der Durchschnitt.